Warum wir regelmäßig unseren Po trainieren sollten?
Der oft
unerkannte Grund für Rückenschmerzen? Ein schwacher Po! Dieser Blogbeitrag beschäftigt
sich mit den Muskel, der den ganzen Körper stützt – und die Frage, wie man den
Hintern nicht nur gesund trainiert, sondern auch optisch attraktiver macht.
Viele
Menschen benutzen ihr Hinterteil im Wesentlichen, um darauf zu sitzen. Hat das
Gesäß mehr Aufmerksamkeit verdient?
Auf jeden
Fall. Beim Gesäß handelt es sich um eine Muskelgruppe, die wir ständig nutzen,
fast in jeder Sekunde des Tages, und die extrem wichtig ist für unsere
Körperstatik, unsere Fortbewegung und unser Wohlbefinden. Gleichzeitig ist die
Gesäßmuskulatur eine häufige Quelle von Beschwerden. Viele Menschen leiden an
verkürzter, verhärteter oder schlicht zu schwacher Gesäßmuskulatur.
Wir
sitzen vermutlich zu viel?
In der Tat
ist das Sitzen, wenn es keinen sportlichen Ausgleich gibt, oft der Grund für
Beschwerden. Die medizinische Diagnostik kann allerdings recht anspruchsvoll
sein, da in derselben Körperregion auch die Hüfte und der untere Rücken liegen.
Man muss also genau hinschauen, um die Ursache der Beschwerden zu finden.
Wie ist das
Gesäß anatomisch aufgebaut ist?
Wenn wir von
außen nach innen gehen, liegt direkt unter der Haut das subkutane Fettgewebe,
danach kommen eine oberflächliche Faszie sowie bindegewebige Bänder, die die
Haut mit Faszien und Knochen verbinden. Darunter befindet sich die
Gesäßmuskulatur, die aus drei einzelnen Muskeln besteht: Zum einen dem großen
Gesäßmuskel Gluteus maximus, der rechts und links vom Beckenkamm über das
Kreuzbein, Sitzbein und Steißbein bis zur Rück- und Außenseite der Oberschenkel
reicht und viel zum Erscheinungsbild der Pobacken beiträgt. Zum anderen dem
kleineren Gluteus medius, der unter dem Gluteus maximus am Becken sitzt. Und im
selben Bereich kommt der noch mal kleinere Gluteus minimus hinzu. Darunter
liegen die Hüftgelenke, die von der Gesäß- und Hüftmuskulatur sowie den
dazugehörigen Bändern, Sehnen und Faszien auf verschiedene und sehr komplexe
Weise bewegt und stabilisiert werden.
Was ist die
wichtigste Funktion des Gluteus maximus ?
Die
Hüftstreckung. Die ist Voraussetzung für viele Bewegungen, ob es nun Springen,
Sprinten, Treppensteigen oder schon das Aufstehen von einem Stuhl ist.
Letztlich kann man sagen, dass das, was den Menschen anfangs ausgemacht hat,
nämlich der aufrechte Gang, ohne die Gesäßmuskeln unmöglich wäre. Tatsächlich
ist der Gluteus maximus der größte Muskel unseres Körpers und auch einer der
leistungsfähigsten. Im Endeffekt hält er unsere gesamte Statik aufrecht. Oder
eben nicht, wenn er zu schwach ist.
Was sind
typische Beschwerden im Gesäßbereich, mit denen die Leute in eine orthopädische
Praxis kommen?
Was wir oft
sehen, sind von Problemen mit der Gesäßmuskulatur verursachte Rückenschmerzen.
Dabei sind die beiden kleinen Gesäßmuskeln häufiger die Ursache als der Gluteus
maximus. Gluteus medius und minimus sind nämlich vor allem für die Stabilität
des Beckens zuständig, besonders während des Gehens. Die beiden Muskeln richten
das Becken auf und verhindern, dass es zur Gegenseite abkippt. Falls die
Muskeln aber zu schwach sind, um das Becken zu halten, muss sich unser
Oberkörper in die andere Richtung lehnen, um in Balance zu bleiben. Das führt
zu einer Fehlhaltung, die die Rückenmuskulatur überlastet und häufig
Rückenschmerzen zur Folge hat.
Was für
typische Probleme gibt es noch?
Sehr häufig
haben wir es mit Tendinopathien zu tun, das sind Sehnenreizungen, die rund um
den Knochenvorsprung an den beiden Seiten der Hüfte auftreten, dem Trochanter
major. Das ist ein Teil des Oberschenkelknochens, den man als Laie gut an der
seitlichen Hüfte tasten kann. Auch ein dort befindlicher Schleimbeutel macht
oft Probleme. Daneben gibt es Beschwerden, die mehr in der Tiefe des Gesäßes
liegen. Beim Piriformis-Syndrom zum Beispiel quetscht der gleichnamige
Hüftmuskel den Ischiasnerv ein, was sehr schmerzhaft sein kann. Ähnlich ist es
beim ischiofemoralen Impingement – auch dabei handelt es sich, vereinfacht
gesagt, um eine Verengung in der rückseitigen Hüfte, die zu starken Schmerzen
im Gesäß und in den Beinen führen kann. Außerdem kann es bei den Gesäßmuskeln,
wie bei allen Muskeln, zu strukturellen Verletzungen kommen, wie
Muskelfaserrissen und Rissen an den Sehnen der Muskulatur.
Wie reißt
man sich den Gesäßmuskel?
Durch
Unfälle oder beim Sport. Besonders, wenn ein verkürzter und schwacher Muskel
beim Sport plötzlichen, extremen Belastungen ausgesetzt wird. Generell muss man
aber betonen, wie schädlich das Nichtstun fürs Gesäß ist. Es gibt ja nicht
zufällig die Redewendung »sich den Hintern platt sitzen« – darin steckt ein
wahrer Kern. Langes Sitzen führt zu Spannung im Bereich der Muskulatur, was zum
Beispiel die erwähnten Sehnenansatzreizungen verursachen kann. Auch die
Sitzbeinhöcker und die umliegende ischiocrurale Muskulatur – also die Muskeln,
die vom Sitzbeinhöcker über das Knie bis zum Unterschenkel führen und die
Oberschenkelrückseite bilden – werden durch langes Sitzen belastet und gereizt.
Viele Leute denken, dass Sitzen harmlos für die Muskulatur sei, weil es eine
passive Tätigkeit ist, die den Körper erst mal nicht zu belasten scheint. Das
stimmt aber nicht. Wenn kein Ausgleich über Bewegung oder sportliches Training
erfolgt, führt langes Sitzen oft zu Beschwerden und Schmerzen im Gesäß.
Wie kommt
es denn dazu, dass ein Muskel verkürzt ist?
Wenn ein
Muskel nicht regelmäßig benutzt wird, werden seine Fasern inflexibler. Auch der
Faszienkomplex, der den Muskel umgibt, verengt sich. Ein typisches Beispiel
dafür ist, dass man sein Knie nicht mehr durchstrecken kann, wenn die
Muskulatur der Beinrückseite verkürzt ist. Mit solchen Muskelverhärtungen geht
auch ein deutlich erhöhtes Verletzungsrisiko einher, denn wenn man den Muskel
dann doch mal stark belastet, zum Beispiel beim Sport oder durch eine
ungewohnte Bewegung, kann er schnell Schaden nehmen.
Wie sähe
ein typischer Therapieansatz für die beschriebenen muskulären Beschwerden aus?
Als erstes
immer konservativ, also ohne Medikamente oder gar Operationen. Da die
Beschwerden oft auf verkürzte, zu schwache oder nicht funktionale Muskulatur
zurückzuführen sind, versucht man, eine starke Muskulatur aufzubauen. Dafür
sind aus meiner Sicht vor allem drei Dinge wichtig – Dehnung, Faszientraining
und Krafttraining. Für vieles gibt es einfache Übungen, die die Patienten
selbst ausführen können und die oft schon viel bringen, natürlich auch
präventiv.
Was für Übungen wären das denn?
Wir haben
vorhin von »den Hintern platt sitzen« gesprochen, und mein erster Rat wäre
einfach, in Phasen, in denen man lange sitzt, immer mal wieder aufzustehen und
sich zu bewegen. Denn je länger wir sitzen, desto häufiger haben wir Gesäß- und
Rückenbeschwerden. Bei konkreten Übungen ist es sinnvoll, mit der Dehnung
anzufangen, zum Beispiel so: sich normal hinstellen, nach vorne beugen und mit
gestreckten Beinen die Fingerspitzen zum Boden bringen. Dadurch werden die
Gesäßmuskulatur und die Beinrückseiten gedehnt. Grundsätzlich sollte es so
sein, dass wir mit den Fingerspitzen den Boden berühren können – wenn nicht,
ist da bereits etwas verkürzt. Dasselbe kann man auch mit überkreuzten Beinen
machen, dann ist die Dehnung noch etwas intensiver.
Gibt es
weitere?
Eine gute
Dehnübung geht so, dass man sich auf den Rücken legt und abwechselnd das rechte
und das linke Bein mit den Händen zur Brust zieht, während die Gegenseite
gestreckt auf dem Boden liegen bleibt – das geht direkt auf den Gluteus
maximus. Um zusätzlich den Gluteus medius und minimus zu dehnen, kann man in
Rückenlage bei zum Beispiel ausgestrecktem linken Bein den rechten Fuß außen
neben dem linken Oberschenkel auf den Boden setzen und mit der linken Hand das
rechte Knie Richtung Boden ziehen. Hierbei sollte zudem der rechte Arm im
rechten Winkel vom Körper abgespreizt auf dem Boden abgelegt werden und die
Schulterblätter sollten plan auf dem Boden liegen bleiben.
Und was
könnte man tun, um die Gesäßmuskulatur nicht nur zu dehnen, sondern auch zu
kräftigen?
Den Gluteus
maximus trainiert man zum Beispiel mit der klassischen Kniebeuge, mit
Ausfallschritten und mit der Schulterbrücke, bei der man sich auf den Rücken
legt, die Füße aufstellt und dann Rumpf und Becken so weit wie möglich hebt, so
dass man nur noch mit den Füßen und Schultern auf dem Boden ist. Sehr gut für
Gesäßmuskulatur und Stabilität ist es auch, in den Vierfüßlerstand zu gehen und
dann gleichzeitig den rechten Arm und das linke Bein zu strecken, und
umgekehrt.
Alles
Übungen, die man auch zu Hause machen kann!
Falls man
ins Fitnessstudio geht, könnte man auch mal das sogenannte rumänische
Kreuzheben probieren: Dafür hält man im normalen Stand mit nach unten
gestreckten Armen eine Langhantel in den Händen, beugt die Hüfte, indem man das
Gesäß nach hinten schiebt, bei gleichzeitig durchgestreckten Knien und gradem
Rücken, bis die Hantel auf Höhe der Schienbeine ist, und stellt sich dann
wieder gerade hin, wobei man die Hantel durch Anspannen des Gluteus maximus und
der Beinrückseite anhebt. Diese Übung mehrmals zu wiederholen ist ein
erstklassiges Training für die Gesäß- und Oberschenkelmuskeln sowie den unteren
Rücken. Außerdem gibt es mittlerweile in jedem Fitnessstudio Geräte, mit denen
man sehr gezielt die Glutealmuskulatur ansteuern kann.
Und wenn
man die Beschwerden dadurch nicht in den Griff bekommt?
Dann kann
man durch gezielte Physiotherapie, manuelle Therapie sowie lockernde Massagen
für Faszien und Muskulatur Erfolge erzielen. Sollte dies nicht ausreichen, kann
man mit Schmerzmitteln arbeiten oder mit Medikamenten, die die Muskulatur
lockern. Wenn das immer noch nicht hilft, gibt es die Möglichkeit, mit
Infiltrationen oder einer Stoßwellentherapie zu arbeiten. Operiert wird am
Gesäß nur selten.
Vielen
Leuten, die im Fitnessstudio trainieren, dürfte neben der Funktionalität der
Muskulatur auch die Ästhetik am Herzen liegen. Besteht da aus medizinischer
Hinsicht ein Zusammenhang?
Grundsätzlich
ist es vor allem wichtig, dass ein Muskel seine Funktion erfüllen kann.
Allerdings hat die Funktionalität durchaus Einfluss auf die Ästhetik. Ein
trainierter Muskel ist in der Regel ein voluminöserer Muskel. Und wenn ein
Muskel gut trainiert wird, führt das natürlich auch dazu, dass das umliegende
Gewebe straffer und ansprechender aussieht.
Im
Internet findet man viele Workouts mit Titeln wie »20 min Booty Builder«, bei
denen es vor allem darum geht, wie man zum begehrten »Knackpo« gelangt?
Warum man
mit dem Muskeltraining anfängt, ist letzten Endes egal. Wenn der Wunsch nach
einem Knackpo dazu beiträgt, dass man über einen längeren Zeitraum
diszipliniert trainiert – warum nicht? Muskelaufbau kostet Zeit, deswegen ist
im Prinzip alles hilfreich, was die Motivation steigert. Meine Vermutung wäre
zudem, dass auch Menschen, die vor allem aus ästhetischen Gründen anfangen zu
trainieren, bald merken, dass die Effekte darüber hinausgehen und ihr
Wohlbefinden generell steigt.
Ein
anderer Weg zum Knackpo besteht in einer Schönheitsoperation namens »Brazilian
Butt Lift«, bei der der Po gestrafft und mittels Eigenfett oder Implantaten
vergrößert wird.
Das ist eine
umstrittene Prozedur, die ein vergleichsweise hohes Risiko mit sich bringt und
auch schon zu Todesfällen geführt hat. Hinzu kommt, dass diese OP die
Funktionalität der Muskulatur komplett außer Acht lässt. Man hat danach also
eventuell ein äußerlich ansprechendes Gesäß, das trotzdem seinen muskulären
Aufgaben nicht nachkommen kann und Beschwerden verursacht.
Diese
Operation, die in den 10er- und 20er-Jahren vor allem durch Frauen wie Kim
Kardashian populär wurde, wirkt wie ein Sinnbild für den Schönheitskult unserer
Zeit.
Ja,
die Leute wünschen sich oft eine Abkürzung. Es gibt einen bewährten,
risikoarmen Weg, wie man zu einem schönen Po kommt, nämlich durch regelmäßiges
Training. Aber das erfordert ein gewisses Maß an Disziplin und ist manchen
einfach zu anstrengend.: Eine Abkürzung gibt es nicht. Wer gesunde Muskeln und
insbesondere ein schönes Gesäß haben möchte, muss daran arbeiten. Das ist der
einzig sinnvolle Weg.

Kommentare
Kommentar veröffentlichen