Ernährung schlägt Gene - aber Frauen müssen anderes essen als Männer
Große Studie mit 103.649 Menschen zeigt: Mit der richtigen Ernährung leben Männer bis zu 3 Jahre länger – Frauen profitieren anders.
Jeder
wünscht sich ein langes, gesundes Leben. Doch wie stark hängt die eigene
Lebenserwartung wirklich von der Ernährung ab? Eine große Auswertung aus
Großbritannien liefert darauf eine erstaunlich klare Antwort: Wer sich
konsequent gesund ernährt, kann statistisch zwei bis drei Jahre länger leben.
Und noch spannender: Männer und Frauen profitieren nicht von exakt denselben
Lebensmitteln.
Die Daten
stammen aus der UK Biobank und wurden im Fachjournal Science
Advances veröffentlicht. 103.649 Frauen und Männer nahmen teil,
ihr Durchschnittsalter lag bei 58,3 Jahren. Über im Schnitt 10,6 Jahre hinweg
wurden ihre Gesundheitsdaten beobachtet. In dieser Zeit starben 4.314 Personen.
Die Forscher berechneten, wie sich verschiedene Ernährungsweisen auf das
Sterberisiko und die Lebenserwartung auswirkten.
Höhere
Lebenserwartung mit gesunder Ernährung – Sterberisiko um bis zu 24
Prozent geringer
Die
Teilnehmer wurden danach bewertet, wie stark sie sich an fünf bekannte
Ernährungsformen hielten.
- Alternate Healthy Eating Index
(AHEI)
- Mediterrane Ernährung (AMED)
- Healthful Plant‑Based Diet Index
(hPDI)
- DASH‑Ernährung (gegen Bluthochdruck)
- Diabetes Risk Reduction Diet
(DRRD)
Über einen
Zeitraum von 10,6 Jahren wurden die Ernährungsgewohnheiten und die
Sterblichkeit der Teilnehmenden beobachtet. Insgesamt traten 4.314
Todesfälle auf.
Das Ergebnis
ist eindeutig: Wer im besten Fünftel der jeweiligen Bewertung lag, hatte ein um
18 bis 24 Prozent geringeres Risiko, im Beobachtungszeitraum zu sterben, als
Personen im schlechtesten Fünftel.
Am stärksten
schnitt die sogenannte Diabetes Risk Reduction Diet (DRRD) ab. Hier
lag der bereinigte Wert bei 0,76. Das bedeutet: 24 Prozent weniger Todesfälle
im Vergleich zur Gruppe mit den ungünstigsten Essgewohnheiten. Auch mediterrane
Kost, pflanzenbetonte Ernährung und die DASH-Diät zeigten klare Vorteile.
Männer
holen bis zu 3 Jahre heraus – mit Ballaststoffen und Kaffee
Besonders
eindrucksvoll wird es beim Blick auf 45-Jährige. Ein Mann, der sich stark an
der DRRD orientierte, konnte statistisch mit weiteren 36,7 Lebensjahren
rechnen. Das entspricht einem Durchschnittsalter von 81,7 Jahren.
Männer mit
sehr ungesunder Ernährung kamen dagegen auf 33,6 zusätzliche Jahre – im Schnitt
also 78,6 Jahre. Der Unterschied: gut drei Jahre.
Für
Männer waren vor allem diese Punkte entscheidend:
- viele Ballaststoffe
- regelmäßiger Kaffeekonsum
- wenig Transfette
- möglichst keine zuckergesüßten
Getränke
- weniger rotes und verarbeitetes
Fleisch
Ballaststoffe
zeigten in der Detailanalyse den stärksten schützenden Zusammenhang.
Zuckerhaltige Getränke waren dagegen am deutlichsten mit einem höheren
Sterberisiko verbunden.
Frauen
leben länger mit mediterraner Kost
Bei Frauen
sah das Bild etwas anders aus. Hier brachte die mediterrane Ernährungsform den
größten Vorteil. Eine 45-jährige Frau mit sehr guter mediterraner Ernährung
konnte statistisch mit weiteren 39,4 Lebensjahren rechnen – also mit einem
Durchschnittsalter von 84,4 Jahren. Frauen mit den niedrigsten Werten
erreichten im Schnitt 82,1 Jahre. Das Plus durch die bessere Ernährung: rund
2,3 Jahre.
Für
Frauen galten besonders günstig:
- Vollkornprodukte
- Gemüse und Hülsenfrüchte
- Fisch
- Milchprodukte
- ein moderater Alkoholkonsum
Rotes
Fleisch sollte reduziert werden. Die mediterrane Bewertung berücksichtigt
kleine Mengen Alkohol als Teil des Musters. Für Frauen entsprach das maximal
einem kleinen bis mittleren Glas Wein pro Tag.
Gene
helfen – aber sie entscheiden nicht alles
Neben der
Ernährung analysierten die Forscher auch genetische Daten. Aus 19 Genvarianten
wurde ein sogenannter polygenetischer Score berechnet. Menschen mit günstiger
genetischer Ausstattung hatten ein um 15 Prozent geringeres Sterberisiko als
Personen mit ungünstigerem Profil.
Doch
entscheidend ist ein anderer Punkt: Der Vorteil gesunder Ernährung zeigte sich
unabhängig von den Genen. In der Veröffentlichung heißt es: „Unsere Ergebnisse
unterstreichen die Bedeutung, sich an gesunde Ernährungsmuster zu halten, um
die Lebenserwartung zu verlängern.“ Weiter schreiben die Autoren: „Sie bieten
Menschen die Flexibilität, diese Muster an ihre Vorlieben und Traditionen
anzupassen.“
Mit anderen
Worten: Auch wer keine besonders „guten“ Gene hat, kann durch sein Essverhalten
statistisch Lebenszeit gewinnen.
Besonders
kritisch: Zuckergetränke
Ein Detail
sticht klar heraus. Zuckerhaltige Getränke standen in allen Analysen deutlich
mit einem erhöhten Sterberisiko in Verbindung. Auch Lebensmittel mit hohem
glykämischem Index, die den Blutzucker stark ansteigen lassen, schnitten
schlechter ab.
Auffällig
war zudem: Der
schützende Effekt gesunder Ernährung war bei sozial stärker benachteiligten
Gruppen besonders ausgeprägt. Auch Raucher profitierten deutlich von einer an
der DRRD orientierten Ernährung.
Die
Berechnungen wurden für verschiedene Altersgruppen wiederholt. Ob man bei 45,
50 oder 60 Jahren startete – die Richtung blieb gleich. Wer sich konsequent an
gesunde Ernährungsweisen hielt, hatte eine höhere statistische Lebenserwartung.
Quelle.
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