Laufen bei kalten Temperaturen - das ist zu beachten !
Bei Hitze schlägt das Herz schneller, aber wie ist es bei kühlen Temperaturen? So wirkt sich Frost auf deine Herzfrequenz aus.
Während sich
deine Lieblingslaufeinheit im Sommer locker-fluffig anfühlt, erscheint sie dir
im Winter selbst bei besten Bedingungen zäh wie Kaugummi? Das kommt nicht von
ungefähr. Denn unabhängig von Faktoren wie rutschigem Untergrund, geringem
Tageslicht und warmer Kleidung muss dein Körper mehr Energie für die
Thermoregulation aufwenden. Das bedeutet aber nicht, dass die Herzfrequenz bei
Kälte immer steigt – im Gegenteil, oft ist sie sogar niedriger als bei Wärme.
Das sind die wissenschaftlichen Hintergründe.
Warum
Kälte den Puls beeinflussen kann
Die
Außentemperatur wirkt sich unmittelbar auf den Körper aus, ob in Ruhe oder beim
Sport: Sie bestimmt, wie viel Wärme der Organismus abgibt oder absorbiert.
Durch Thermoregulation bleibt die Körperkerntemperatur trotzdem stabil bei ca.
37 °C. Durch Schwitzen, Zittern und andere Maßnahmen erfolgt eine Anpassung des
Körpers an Hitze oder Frost.
Diese
Prozesse beeinflussen auch den Puls: Bei Kälte verengen sich die Blutgefäße in
den Extremitäten, um die Wärmeabgabe über die Haut zu reduzieren. Der
Widerstand im Gefäßsystem steigt also und das Herz muss kräftiger arbeiten –
die Herzfrequenz nimmt zu. Diese Pulsabweichung tritt vor allem bei sehr
niedrigen Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt auf oder wenn der Körper
beginnt auszukühlen. Zudem spielt die subjektive Kältetoleranz eine Rolle:
Frierst du generell schnell, zeigt dein Körper früher eine Stressreaktion und
beschleunigt den Herzschlag.
Ist der
Puls im Winter höher oder niedriger?
Bei gemäßigter Kälte im Bereich von etwa 0 bis 10 °C sinkt der Puls beim Laufen häufig sogar. Dein Herz muss weniger Blut zur Kühlung an die Hautoberfläche pumpen – solche Temperaturen stehen für ideale Laufbedingungen und schnelle Zeiten. Allerdings ist dieser Effekt stark von der Wahl der Laufbekleidung abhängig. Ziehst du dich zu warm an, kann es zu einem Wärmestau kommen, der den Puls trotz winterlicher Außenwerte wie im Sommer nach oben treibt. Falsche Bekleidung ist übrigens einer der häufigsten Lauffehler im Winter.
Ob deine Herzfrequenz beim Laufen im Winter höher oder niedriger ist, hängt also nicht nur von der Gradzahl auf dem Thermometer ab. Entscheidend ist die Balance zwischen Umgebungstemperatur und Mikroklima direkt am Körper.
Dein
Gesundheitsstatus ist ein weiterer Faktor. Bei Personen mit koronarer
Herzkrankheit oder hohem kardiovaskulärem Risiko steigt der Puls bei Kälte
stärker an. Das kann gefährlich werden, weshalb du bei sehr kalten Bedingungen
mit Sport im Freien vorsichtig sein solltest.
Puls beim
Laufen im Winter: Das passiert in deinem Körper
Die
körperliche Reaktion auf Kälte ist im Detail ein komplexer Vorgang. Dein
gesamter Kreislauf passt sich an, um sicherzustellen, dass die
Körperkerntemperatur nicht zu stark absinkt und die lebenswichtigen Organe
beeinträchtigt werden. Und so funktioniert das Ganze:
Die Blutgefäße in den Armen und Beinen ziehen sich zusammen. Durch diese Vasokonstriktion wird das Blutvolumen in Richtung Körpermitte verschoben – die Wärme bleibt dort, wo sie am dringendsten benötigt wird.
Die
Konzentration des Blutes im Kern entlastet das Herz, da es weniger in die
Peripherie pumpen muss. Andererseits steigt durch die Engstellung der Gefäße
der Blutdruck an. Das hat wiederum Auswirkungen auf die Herzarbeit.
Bei
moderater Kälte schlägt das Herz oft langsamer, aber kräftiger: Es hat ein
höheres Schlagvolumen.
Sinkt die
Temperatur jedoch so weit, dass dein Körper aktiv Wärme durch Muskelspannung
oder Stoffwechselprozesse erzeugen muss, steigt der Sauerstoffbedarf rapide an:
Das Herz reagiert mit einer höheren Schlagfrequenz.
Kalte,
trockene Luft führt dazu, dass sich die Bronchien leicht verengen. Um dennoch
genügend Sauerstoff ins Blut zu befördern, müssen Lunge und Kreislauf
effektiver zusammenarbeiten. Das kann deinen Puls bei intensiven Einheiten
schneller nach oben treiben als bei wärmeren Temperaturen.
Warum
fühlt sich Laufen bei Kälte oft anstrengender an?
Dafür gibt
es mehrere Gründe, die nicht unbedingt mit einem höheren Puls zusammenhängen
müssen. Selbst wenn die Herzfrequenz niedriger ist als bei einem vergleichbaren
Lauf im Sommer, kann das Anstrengungsgefühl größer sein. Das sind die Gründe:
Puls messen
im Winter – wie zuverlässig sind Pulsuhren bei kalten Temperaturen?
Laufuhren
mit Herzfrequenzmessung funktionieren auch bei Kälte, wobei Modelle mit
Brustgurt deutlich zuverlässiger sind. Optische Sensoren am Handgelenk leiden
unter der Verengung der Blutgefäße. Das weniger gut durchblutete Gewebe
verschlechtert die Signalqualität und es kann zu Messfehlern kommen –
Aussetzer, Verzögerungen oder unrealistische Werte sind die Folge. Trainierst
du nach Pulszonen, läufst du auf Basis der falschen Messungen womöglich zu
locker oder zu intensiv.
Ein weiteres
Problem kann der Effekt der Pulsdrift sein. Während sich der Cardiac Drift im
Sommer durch einen Anstieg der Herzfrequenz trotz gleichbleibender Belastung
äußert, ist es im Winter meist umgekehrt. Frierst du zu Beginn des Trainings,
kommt es durch die Stressreaktion zu einem höheren Puls. Nach der Aufwärmphase
sinkt die Herzfrequenz. Ausnahme: Du bist zu warm angezogen. Dann ist der Puls
anfangs wie bei warmen Temperaturen höher und der klassische Cardiac Drift
tritt irgendwann auf.
Um
Überlastung oder Unterforderung zu vermeiden, solltest du die Pulsmesswerte im
Winter also gut mit deinem subjektiven Empfinden abgleichen und wissen, wie
sich die Außentemperatur auf die Herzfrequenz auswirken kann. Unsere Tabelle
hilft dir bei der Einschätzung:
Wann du bei
auffälligem Puls im Winter vorsichtig sein solltest
Erhöhte
Aufmerksamkeit ist natürlich angebracht, wenn du eine Vorerkrankung wie
Bluthochdruck oder eine Herzinsuffizienz hast. Aber auch gesunde Läuferinnen
und Läufer sollten auf diese Warnsignale achten:
⚠️ Plötzlicher Pulsanstieg trotz
lockerem Tempo: Schließe durch eine manuelle Nachprüfung an der Halsschlagader
einen Messfehler aus. Rast das Herz auch hier, sofort gehen.
⚠️ Tritt die schlagartige
Herzfrequenzerhöhung erneut auf, solltest du sie medizinisch abklären lassen.
⚠️ Hast du gleichzeitig ein
anhaltendes, starkes Druckgefühl oder Stechen in der Brust, Schwindel, Atemnot
oder Bewusstseinsstörungen, ist das ein Notfall – wähle den Notruf 112.
⚠️Auch ein sehr langsamer Puls kann problematisch werden. Führt eine solche Bradykardie zu Schwindel, hörst du besser mit dem Laufen auf.
⚠️ Bei tiefen Temperaturen unter –10 °C
kann ein hoher Puls auf eine massive Erschöpfung hindeuten. Spätestens, wenn du
zitterst, solltest du das Training abbrechen und dich aufwärmen.
⚠️ Kündigt sich durch Halskratzen,
Schnupfen, Frösteln oder Unwohlsein ein grippaler Infekt an, verzichtest du
besser gleich aufs Training – das Risiko für eine Herzmuskelentzündung ist
bereits jetzt stark erhöht.

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