Abnehmspritzen - Fluch oder Segen für die Fitnessbranche?
Abnehmspritzen: Fluch oder Segen?
GLP-1-Rezeptoragonisten
revolutionieren derzeit die Adipositas-Therapie weltweit. Diese innovativen
Medikamente, ursprünglich für die Behandlung von Typ-2-Diabetes entwickelt,
haben sich als hochwirksame Mittel zur Gewichtsreduktion erwiesen. Doch hinter
den beeindruckenden Erfolgsgeschichten verbergen sich erhebliche
Herausforderungen: Nebenwirkungen, Muskelverlust, Jo-Jo-Effekt und die Frage
der Nachhaltigkeit.
Dieser
Blogbeitrag beleuchtet kritisch die
verschiedenen Präparatformen, analysiert Marktzahlen und Kosten, untersucht
evidenzbasiert die Problematik des schnellen Gewichtsverlusts und zeigt auf,
warum begleitendes Krafttraining unverzichtbar ist. Die Erkenntnisse basieren
auf aktuellen wissenschaftlichen Studien und internationalen Kongressberichten.
Nur wer die biologischen Mechanismen versteht und frühzeitig gegensteuert, kann
langfristig von diesen Medikamenten profitieren.
Was sind
GLP-1-Rezeptoragonisten?
GLP-1
(Glucagon-like Peptide-1) ist ein körpereigenes Darmhormon, das nach der
Nahrungsaufnahme ausgeschüttet wird. Es stimuliert die Insulinfreisetzung,
hemmt die Glucagonsekretion und verlangsamt die Magenentleerung. Besonders
relevant für die Gewichtsreduktion: GLP-1 wirkt direkt auf Sättigungszentren im
Gehirn und reduziert das Hungergefühl erheblich.
Synthetische
GLP-1-Rezeptoragonisten ahmen diese Wirkung nach, sind aber deutlich länger
wirksam als das natürliche Hormon. Sie binden an dieselben Rezeptoren und lösen
ähnliche Signalkaskaden aus. Die verlängerte Halbwertszeit ermöglicht
wöchentliche oder sogar weniger häufige Injektionen. Diese Medikamentenklasse
hat in den letzten Jahren eine beispiellose Entwicklung erfahren.
Die
Wirksamkeit liegt primär in der deutlichen Appetitreduktion: Patientinnen und
Patienten berichten über ein anhaltendes Sättigungsgefühl, geringeres Verlangen
nach hochkalorischen Lebensmitteln und kleinere Portionsgrößen. Dies führt zu
einem signifikanten Kaloriendefizit und damit zur Gewichtsabnahme.
Mono-Agonisten:
Die erste Generation
Die ersten
GLP-1-Rezeptoragonisten wie Liraglutid (Saxenda®, Victoza®) und Semaglutid
(Ozempic®, Wegovy®) wirken ausschließlich auf GLP-1-Rezeptoren. Liraglutid muss
täglich injiziert werden, während Semaglutid nur einmal wöchentlich verabreicht
wird – ein deutlicher Vorteil für die Therapieadhärenz.
Semaglutid
hat sich als besonders potent erwiesen: In der STEP-1-Studie verloren
Teilnehmer über 68 Wochen durchschnittlich 14,9 % ihres Körpergewichts,
verglichen mit 2,4 % in der Placebogruppe. Diese Ergebnisse waren bahnbrechend
und führten zur FDA-Zulassung für Adipositas.
Dulaglutid
(Trulicity®) ist ebenfalls ein reiner GLP-1-Agonist mit wöchentlicher
Dosierung, primär für Diabetes zugelassen. Exenatid (Byetta®, Bydureon®) war
einer der ersten Vertreter dieser Klasse, wird aber heute seltener eingesetzt.
Die Mono-Agonisten bilden die Grundlage, auf der neuere, noch potentere
Wirkstoffe aufbauen.
Duo-Agonisten:
Doppelte Wirkung
Tirzepatid
(Mounjaro®, Zepbound®) ist der erste zugelassene Duo-Agonist und aktiviert
sowohl GLP-1- als auch GIP-Rezeptoren (Glucose-dependent Insulinotropic
Polypeptide). GIP ist ein weiteres Darmhormon, das die Insulinfreisetzung
verstärkt und möglicherweise den Fettstoffwechsel günstig beeinflusst. Die
Kombination beider Wirkmechanismen führt zu einer noch stärkeren
Gewichtsreduktion als Mono-Agonisten.
In der
SURMOUNT-1-Studie erreichten Patientinnen und Patienten unter Tirzepatid eine
durchschnittliche Gewichtsabnahme von bis zu 20,9 % über 72 Wochen – ein
bislang unerreichter Wert für medikamentöse Therapien. Diese Ergebnisse nähern
sich den Erfolgsraten bariatrischer Chirurgie an, ohne operativen Eingriff.
Der
zusätzliche GIP-Mechanismus scheint auch metabolische Vorteile zu bieten:
verbesserte Insulinsensitivität, günstigere Lipidprofile und möglicherweise
geringere kardiovaskuläre Risiken. Die Forschung zu Duo-Agonisten steht jedoch
noch am Anfang, Langzeitdaten werden dringend benötigt.
Bisher ist
in Deutschland nur Mounjaro zugelassen.
Tri-Agonisten:
Die Zukunft der Therapie?
Tri-Agonisten
wie Retatrutid befinden sich derzeit in Phase-III-Studien und aktivieren drei
Rezeptorsysteme gleichzeitig: GLP-1, GIP und Glucagon. Die zusätzliche
Glucagon-Komponente erhöht den Energieverbrauch und fördert die
Fettverbrennung, was theoretisch zu noch größeren Gewichtsverlusten führen
könnte.
Erste
Phase-II-Daten zeigen beeindruckende Ergebnisse: Über 48 Wochen verloren
Teilnehmer durchschnittlich bis zu 24,2 % ihres Körpergewichts. Dies übertrifft
selbst Tirzepatid und könnte die Adipositas-Therapie erneut revolutionieren.
Allerdings sind die Nebenwirkungsprofile noch nicht vollständig
charakterisiert.
Die
Wissenschaft hofft, dass Tri-Agonisten nicht nur mehr Gewichtsverlust
ermöglichen, sondern auch metabolische Erkrankungen ganzheitlicher behandeln
können. Kritisch bleibt: Je komplexer der Wirkmechanismus, desto
unvorhersehbarer können Langzeiteffekte und Wechselwirkungen sein. Die
kommenden Jahre werden entscheiden, ob Tri-Agonisten halten, was sie
versprechen.
Orforglipron:
Die nächste Generation oraler GLP-1-Therapie
Orforglipron
ist ein innovativer, nicht-peptidischer GLP-1-Rezeptoragonist in Tablettenform
von Eli Lilly, der sich derzeit in Phase-III-Studien befindet. Im Gegensatz zu
Rybelsus® (Semaglutid-Tablette) handelt es sich um ein kleines Molekül, das
ohne Nahrungseinschränkungen eingenommen werden kann – ein entscheidender
Vorteil für die Therapietreue.
ACHIEVE-1-Studie
(April 2025)
zeigte beeindruckende Ergebnisse: Orforglipron senkte den HbA1c-Wert um
durchschnittlich 1,3–1,6 % bei Typ-2-Diabetes-Patienten.
In der
höchsten Dosierung wurde ein Gewichtsverlust von durchschnittlich 7,3 kg (16
lbs bzw. 7,9 %) erreicht.
ATTAIN-2-Studie
(November
2025, The Lancet) bestätigte die Wirksamkeit bei Patienten mit Adipositas und
Diabetes.
Das
Nebenwirkungsprofil entspricht dem injizierbarer GLP-1-Agonisten –
hauptsächlich gastrointestinale Beschwerden. Der große Vorteil: Orforglipron
ist eine einmal täglich einzunehmende Tablette ohne komplizierte
Einnahmevorschriften. Eli Lilly ist zuversichtlich, bei Zulassung weltweit ohne
Lieferengpässe starten zu können – ein wichtiger Faktor angesichts der
aktuellen Versorgungsprobleme bei Injektionspräparaten.
Die
FDA-Zulassung von Orforglipron wird für Ende 2025 oder Anfang 2026 erwartet.
Eli Lilly hat insgesamt sieben Phase-III-Studien im ACHIEVE-Programm laufend,
die verschiedene Indikationen (Diabetes, Adipositas) und Patientengruppen
untersuchen. Weitere Datenpräsentationen werden im Laufe des Jahres 2025
erwartet.
Orforglipron
könnte den GLP-1-Markt revolutionieren: Als erste oral verfügbare
GLP-1-Therapie ohne Nahrungsrestriktionen bietet sie deutlich mehr Komfort als
Rybelsus®. Die einfache Einnahme könnte die Akzeptanz massiv steigern und
Millionen Menschen erreichen, die Injektionen ablehnen. Eli Lilly betont die
Skalierbarkeit der Produktion – ein kritischer Vorteil gegenüber den aktuellen
Lieferengpässen bei Wegovy® und Mounjaro®.
Marktanalysten
erwarten, dass orale GLP-1-Präparate den Gesamtmarkt erheblich erweitern
werden. Schätzungen gehen davon aus, dass bis 2030 über 100 Millionen Menschen
weltweit GLP-1-Therapien nutzen könnten – Orforglipron könnte dabei eine
Schlüsselrolle spielen. Die Kombination aus Wirksamkeit, Bequemlichkeit und
Verfügbarkeit macht es zu einem potenziellen Blockbuster-Medikament mit
Milliardenumsätzen.
Weltmarkt
2024: Milliardenumsätze
Der globale
Markt für GLP-1-Rezeptoragonisten explodiert förmlich. Novo Nordisk und Eli
Lilly dominieren mit Semaglutid (Ozempic®, Wegovy®) und Tirzepatid (Mounjaro®,
Zepbound®). Für 2024 werden weltweite Umsätze von über 50 Milliarden US-Dollar
erwartet – Tendenz stark steigend.
Semaglutid
allein generierte 2023 bereits über 21 Milliarden Dollar Umsatz. Wegovy®, die
höher dosierte Variante für Adipositas, ist in vielen Ländern ausverkauft oder
rationiert. Die Nachfrage übersteigt das Produktionsvolumen deutlich.
Tirzepatid steht erst am Anfang seiner Marktpenetration und zeigt explosive
Wachstumsraten.
Analysten
prognostizieren, dass der Adipositas-Medikamentenmarkt bis 2030 auf über 100
Milliarden Dollar anwachsen könnte. Dies wäre einer der größten Pharmamärkte
überhaupt. Die gesellschaftliche Relevanz von Adipositas und die hohe
Wirksamkeit der Präparate treiben diese Entwicklung. Gleichzeitig entstehen
Lieferengpässe und ethische Debatten über Zugangsgerechtigkeit.
Deutschland
2024: Wachsender Markt
In
Deutschland ist die Verschreibung von GLP-1-Agonisten sprunghaft angestiegen.
Ozempic® wurde 2024 zum umsatzstärksten Medikament in deutschen Apotheken,
obwohl es primär für Diabetes zugelassen ist. Viele Ärzte verschreiben es
„off-label" zur Gewichtsreduktion, da Wegovy® zeitweise nicht lieferbar
war.
Der deutsche
Markt für GLP-1-Präparate wird 2024 auf etwa 2,5 bis 3 Milliarden Euro
geschätzt. Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten die Kosten nur bei Diabetes
mellitus Typ 2, nicht jedoch bei reiner Adipositas – eine kontroverse Regelung,
die viele Patienten zwingt, die hohen Kosten selbst zu tragen.
Die Deutsche
Adipositas-Gesellschaft fordert eine Änderung der Erstattungspraxis, da
Adipositas als chronische Erkrankung anerkannt ist. Bisher lehnen Kassen die
Kostenübernahme ab, da evidenzbasierte Lebensstilinterventionen als
Erstlinientherapie gelten. Dies führt zu einer Zweiklassenmedizin: Wohlhabende
können sich die Therapie leisten, sozial Benachteiligte nicht.
Weltmarkt
2024: Milliardenumsätze
Der globale
Markt für GLP-1-Rezeptoragonisten explodiert förmlich. Novo Nordisk und Eli
Lilly dominieren mit Semaglutid (Ozempic®, Wegovy®) und Tirzepatid (Mounjaro®,
Zepbound®). Für 2024 werden weltweite Umsätze von über 50 Milliarden US-Dollar
erwartet – Tendenz stark steigend.
Semaglutid
allein generierte 2023 bereits über 21 Milliarden Dollar Umsatz. Wegovy®, die
höher dosierte Variante für Adipositas, ist in vielen Ländern ausverkauft oder
rationiert. Die Nachfrage übersteigt das Produktionsvolumen deutlich.
Tirzepatid steht erst am Anfang seiner Marktpenetration und zeigt explosive
Wachstumsraten.
Analysten
prognostizieren, dass der Adipositas-Medikamentenmarkt bis 2030 auf über 100
Milliarden Dollar anwachsen könnte. Dies wäre einer der größten Pharmamärkte
überhaupt. Die gesellschaftliche Relevanz von Adipositas und die hohe
Wirksamkeit der Präparate treiben diese Entwicklung. Gleichzeitig entstehen
Lieferengpässe und ethische Debatten über Zugangsgerechtigkeit.
Prognose
2025: Weiteres Wachstum
Für 2025
erwarten Marktanalysten ein anhaltendes Wachstum des GLP-1-Marktes in
Deutschland auf etwa 4 bis 4,5 Milliarden Euro. Treiber sind die zunehmende
Verfügbarkeit von Tirzepatid, die Zulassungserweiterungen für kardiovaskuläre
Indikationen und die wachsende öffentliche Bekanntheit der Präparate.
Novo Nordisk
und Eli Lilly bauen ihre Produktionskapazitäten massiv aus, um die Nachfrage zu
bedienen. Dennoch werden Lieferengpässe voraussichtlich auch 2025 anhalten.
Parallel dazu drängen Biosimilars und Generika auf den Markt, sobald die
Patente auslaufen – dies könnte mittelfristig die Preise senken.
Die
politische Debatte über Kostenerstattung wird sich intensivieren. Erste
Krankenkassen prüfen Modellprojekte, bei denen GLP-1-Agonisten unter bestimmten
Bedingungen (z. B. in Kombination mit strukturierten Programmen) erstattet
werden. Die Frage lautet: Kann sich das Gesundheitssystem diese Therapie für
Millionen Adipositas-Patienten leisten?
Kosten
für Selbstzahler pro Monat
Die
monatlichen Kosten für GLP-1-Agonisten als Selbstzahler sind erheblich.
Semaglutid (Wegovy®) kostet in Deutschland etwa 300 bis 350 Euro pro Monat,
abhängig von Dosierung und Apotheke. Ozempic®, das niedrigdosierte
Diabetesmedikament, wird häufig günstiger angeboten (ca. 250 bis 280 Euro),
sollte aber nicht off-label für reine Adipositas verwendet werden.
Tirzepatid
(Zepbound®/Mounjaro®) liegt preislich noch höher: etwa 350 bis 400 Euro
monatlich. Die orale Variante Rybelsus® kostet circa 200 bis 250 Euro, ist
jedoch weniger wirksam. Hinzu kommen ärztliche Beratungen, Laborkontrollen und
eventuelle Zusatztherapien – die Gesamtkosten können schnell 400 bis 500 Euro
pro Monat überschreiten.
Bei einer
empfohlenen Therapiedauer von mindestens 12 bis 24 Monaten summieren sich die
Ausgaben auf 4.800 bis 12.000 Euro oder mehr. Für viele Menschen ist dies nicht
finanzierbar. Die hohen Kosten führen zu einem florierenden Schwarzmarkt mit
unsicheren, teilweise gefälschten Präparaten – ein gesundheitliches Risiko.
Nebenwirkungen:
Nicht zu unterschätzen
GLP-1-Agonisten
sind nicht frei von Nebenwirkungen. Die häufigsten sind gastrointestinale
Beschwerden: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Verstopfung betreffen bis zu
40–50 % der Anwender, besonders in den ersten Wochen. Diese Symptome klingen
oft ab, können aber auch persistieren und zum Therapieabbruch führen.
Seltener,
aber schwerwiegender sind Pankreatitis, Gallensteine und
Nierenfunktionsstörungen. Die FDA warnt vor möglichen Schilddrüsentumoren
(medulläres Schilddrüsenkarzinom), basierend auf Tierstudien – beim Menschen
ist das Risiko unklar, aber Patienten mit familiärer Vorbelastung sollten diese
Medikamente meiden.
Psychische
Nebenwirkungen wie Depression, Angst und in Einzelfällen Suizidgedanken wurden
berichtet, ein kausaler Zusammenhang ist aber nicht eindeutig belegt.
Hypoglykämien treten vor allem in Kombination mit Insulin oder
Sulfonylharnstoffen auf. Die European Medicines Agency (EMA) untersucht zudem
Berichte über schwere gastrointestinale Komplikationen wie Darmverschluss.
Wichtig:
Nebenwirkungen sollten ärztlich überwacht werden. Eine Selbstmedikation ohne
medizinische Begleitung ist riskant.
Therapieabbruch
bei GLP-1-Agonisten: Warum die Hälfte aufgibt
Die hohe
Abbruchrate von rund 50 % der Anwender von GLP-1-Agonisten innerhalb der ersten
sechs Monate in Deutschland ist ein alarmierendes Signal und wirft wichtige
Fragen zur Nachhaltigkeit und Zugänglichkeit dieser Therapien auf. Während die
Medikamente anfangs vielversprechende Ergebnisse liefern, scheitern viele
Patienten daran, die Behandlung fortzusetzen. Die Ursachen hierfür sind
vielfältig und spiegeln oft die Komplexität der Adipositas als chronische
Erkrankung wider.
- Unerträgliche Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden
wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung sind bei bis zu 50 %
der Anwender verbreitet und können die Lebensqualität erheblich
beeinträchtigen, was oft zum Abbruch führt.
- Hohe finanzielle BelastungDa die Kosten in Deutschland für
Adipositas nicht von Krankenkassen übernommen werden, stellen monatliche
Ausgaben von 300 bis 500 Euro für viele eine unüberwindbare Hürde dar.
- Mangelnde LangzeitmotivationOhne begleitende umfassende
Lebensstilinterventionen und psychologische Unterstützung fällt es
Patienten schwer, die Therapie als Teil einer langfristigen Strategie zu
verstehen und durchzuhalten.
- Plateau-Effekt und StagnationNach anfänglichem
Gewichtsverlust erleben viele ein Plateau, auf dem die Abnahme stagniert.
Dies kann demotivierend wirken und zur Annahme führen, das Medikament sei
nicht mehr wirksam.
- Umgang mit der AnwendungDie Notwendigkeit regelmäßiger
Injektionen oder die Einnahme der oralen Form kann logistische oder
psychologische Hürden darstellen, die im Alltag als zu aufwendig empfunden
werden.
- Angst vor dem Jojo-EffektDie Sorge vor einer erneuten
Gewichtszunahme nach Absetzen der Medikamente, oft durch fehlende
Aufklärung über die Notwendigkeit dauerhafter Verhaltensänderungen,
beeinflusst die Therapietreue negativ.
Diese
Faktoren verdeutlichen, dass eine erfolgreiche Adipositas-Therapie mehr
erfordert als nur medikamentöse Unterstützung. Eine ganzheitliche Betreuung,
die Nebenwirkungsmanagement, Kostentransparenz und nachhaltige
Lebensstilinterventionen umfasst, ist entscheidend, um die Abbruchraten zu
senken und langfristige Erfolge zu erzielen.
Problem:
Verlust von Muskelmasse
Ein
zentrales Problem bei schneller Gewichtsabnahme mit GLP-1-Agonisten ist der
überproportionale Verlust an Muskelmasse. Studien zeigen, dass 20–40 % des
verlorenen Gewichts aus fettfreier Masse (Lean Body Mass) besteht –
hauptsächlich Muskulatur. Dies ist deutlich mehr als bei langsamerer,
lifestyle-basierter Gewichtsabnahme, wo typischerweise nur 20–25 % Muskelmasse
verloren gehen.
Die
STEP-1-Studie dokumentierte bei Semaglutid-Anwendern einen Rückgang der
fettfreien Masse um durchschnittlich 3,2 kg über 68 Wochen, während die
Fettmasse um 10,3 kg abnahm. Eine Analyse der SURMOUNT-1-Daten zu Tirzepatid
zeigte ähnliche Muster: Je höher die Gesamtgewichtsabnahme, desto größer auch
der absolute Muskelverlust.
Dieser
Muskelverlust ist metabolisch problematisch. Skelettmuskulatur ist das größte
Glukose-aufnehmende Organ und trägt maßgeblich zum Grundumsatz bei. Weniger
Muskelmasse bedeutet niedrigeren Kalorienverbrauch, erhöhtes Sarkopenierisiko
im Alter, reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit und langfristig schlechtere
Stoffwechselkontrolle – ideale Voraussetzungen für einen Jo-Jo-Effekt.
Studien
zum Muskelverlust
Eine 2023 in
„The Lancet" publizierte Metaanalyse untersuchte 14 Studien mit über 5.000
Teilnehmern und fand, dass im Durchschnitt 25–39 % des Gewichtsverlusts unter
GLP-1-Agonisten auf fettfreie Masse entfiel. Bei älteren Erwachsenen (>60
Jahre) war der Anteil noch höher, teilweise über 40 %.
Die
STEP-HFpEF-Studie (2023, „New England Journal of Medicine") zeigte bei
herzinsuffizienten Patienten unter Semaglutid einen signifikanten Rückgang der
Skelettmuskelmasse, gemessen mittels DEXA-Scan. Dies korrelierte mit einer
Abnahme der 6-Minuten-Gehstrecke – ein Hinweis auf funktionelle Einbußen.
Wilding et
al. (2024, „Obesity") beschrieben in einer Substudie zu Tirzepatid, dass
der Muskelverlust dosisabhängig erfolgt: Höhere Dosen führten zu mehr
Gesamtgewichtsverlust, aber auch zu größerem Abbau fettfreier Masse. Die
Autoren betonen die Notwendigkeit begleitender Interventionen – insbesondere
Krafttraining und proteinreiche Ernährung – um Muskulatur zu erhalten.
Problem:
Der Jo-Jo-Effekt
Nach
Absetzen von GLP-1-Agonisten nehmen viele Patienten schnell wieder zu – der
klassische Jo-Jo-Effekt. Die STEP-1-Extensionsstudie dokumentierte, dass
Teilnehmer nach dem Absetzen von Semaglutid innerhalb eines Jahres
durchschnittlich zwei Drittel des verlorenen Gewichts wieder zunahmen.
Die Gründe
sind multifaktoriell: Der appetitunterdrückende Effekt verschwindet, das
Hungergefühl kehrt oft stärker zurück als vor der Therapie. Gleichzeitig ist
der Grundumsatz durch Muskelverlust reduziert, sodass die gleiche
Kalorienzufuhr wie vor der Behandlung nun zu einem Kalorienüberschuss führt.
Hinzu kommen psychologische Faktoren: Viele verlassen sich auf die Medikamente
und ändern ihren Lebensstil nicht nachhaltig.
Besonders
dramatisch ist der Rebound-Effekt bei Personen, die während der Therapie kein
Krafttraining durchführten und nach Absetzen ihre alte Ernährungsweise
wiederaufnahmen. Manche nehmen sogar mehr Gewicht zu als sie ursprünglich
hatten – ein frustrierendes und gesundheitsschädliches Szenario.
Nachlassen
der Wirksamkeit nach 2 Jahren
Langzeitstudien
zeigen, dass die gewichtsreduzierende Wirkung von GLP-1-Agonisten nach etwa
zwei Jahren ein Plateau erreicht oder sogar nachlässt. Die STEP-5-Studie zu
Semaglutid über 104 Wochen dokumentierte, dass der maximale Gewichtsverlust
nach circa 60 Wochen erreicht wurde, danach stabilisierte sich das Gewicht oder
stieg leicht an – trotz fortgesetzter Therapie.
Ein
Mechanismus könnte die Toleranzentwicklung (Tachyphylaxie) sein: Der Körper
passt sich an die kontinuierliche Rezeptorstimulation an, die Rezeptordichte
oder -sensitivität nimmt ab. Zudem können kompensatorische Mechanismen greifen:
Andere hormonelle Regelkreise (z. B. Leptin, Ghrelin) versuchen, das
Körpergewicht wieder zu erhöhen – ein Beispiel für die „Set-Point-Theorie"
des Körpergewichts.
Wilding et
al. (2023) berichteten, dass etwa 15–20 % der Langzeitanwender eine sekundäre
Gewichtszunahme trotz fortlaufender Injektion erleben. Dies wirft die Frage
auf, ob eine dauerhafte Therapie überhaupt sinnvoll ist oder ob zyklische
Protokolle (Pausen, Dosisanpassungen) effektiver sein könnten.
Studien
zum Langzeiteffekt
Die
STEP-4-Studie („JAMA", 2022) untersuchte den Effekt des Absetzens nach 20
Wochen Semaglutid-Therapie. Die Placebogruppe nahm innerhalb von 48 Wochen nach
Absetzen durchschnittlich 6,9 % des Körpergewichts wieder zu, während die
Fortsetzungsgruppe weitere 7,9 % verlor. Dies belegt die Notwendigkeit einer
Dauermedikation – oder alternativer Strategien zur Gewichtsstabilisierung.
Eine
dänische Registerstudie (Sørensen et al., 2024, „Lancet Diabetes &
Endocrinology") analysierte Realdaten von über 8.000 Patienten über drei
Jahre. Nach Therapieabbruch stiegen Körpergewicht und HbA1c innerhalb von 12
Monaten wieder auf Ausgangsniveaus. Nur 12 % der Abbrecher hielten ihr
reduziertes Gewicht langfristig.
Die
SELECT-Studie (2024, „NEJM") zeigte jedoch, dass Patienten mit
kardiovaskulären Vorerkrankungen unter kontinuierlicher Semaglutid-Gabe über
fünf Jahre stabile Gewichts- und Risikomarker aufrechterhalten konnten –
allerdings nur unter fortlaufender Medikation. Diese Ergebnisse verstärken
die Debatte: Ist eine lebenslange Medikamentenabhängigkeit akzeptabel oder
nötig?
Lösung:
Krafttraining als Schlüssel
Regelmäßiges
Krafttraining während der GLP-1-Therapie ist die evidenzbasierte Strategie, um
Muskelmasse zu erhalten und den Jo-Jo-Effekt zu minimieren. Studien zeigen
eindeutig, dass progressives Widerstandstraining den Abbau fettfreier Masse
signifikant reduziert – selbst bei stark kalorienreduzierter Ernährung.
Ein Minimum
von zwei Krafttrainingseinheiten pro Woche ist erforderlich, idealerweise drei
bis vier. Das Training sollte alle großen Muskelgruppen (Beine, Rücken, Brust,
Schultern, Arme) umfassen und mit ausreichender Intensität durchgeführt werden
– das bedeutet: 8–12 Wiederholungen pro Satz mit Gewichten, die die letzten 2–3
Wiederholungen herausfordernd machen.
Der
muskelerhaltende Effekt ist mehrfach belegt: Patienten, die Krafttraining in
ihre GLP-1-Therapie integrierten, verloren nahezu ausschließlich Fettmasse,
während die fettfreie Masse stabil blieb oder sogar zunahm. Dies stabilisiert
den Grundumsatz, verbessert die metabolische Gesundheit und erleichtert die
Gewichtsstabilisierung nach Therapieende erheblich.
Ernährung
und Lifestyle-Änderung
Krafttraining
allein reicht nicht – eine proteinreiche Ernährung ist essenziell, um
Muskelaufbau und -erhalt zu unterstützen. Empfohlen werden mindestens 1,2 bis
1,6 g Protein pro kg Körpergewicht täglich, bei intensivem Training auch mehr.
Proteinquellen sollten hochwertig sein: mageres Fleisch, Fisch, Eier,
Milchprodukte, Hülsenfrüchte.
Neben
Protein ist eine ausgewogene, mikronährstoffreiche Ernährung wichtig.
GLP-1-Agonisten reduzieren die Nahrungsaufnahme drastisch – umso wichtiger,
dass jede Kalorie zählt und essentielle Vitamine, Mineralstoffe und
Ballaststoffe geliefert werden. Gemüse, Vollkornprodukte, gesunde Fette sollten
den Speiseplan dominieren.
Lifestyle-Änderungen
umfassen auch Schlafhygiene, Stressmanagement und Bewegung im Alltag.
Chronischer Stress und Schlafmangel erhöhen Cortisol, fördern Muskelabbau und
Fetteinlagerung. Regelmäßige Alltagsbewegung (Spaziergänge, Treppensteigen)
erhöht den Kalorienverbrauch und unterstützt das Gewichtsmanagement. Diese
Faktoren sind keine „Nice-to-haves", sondern Grundpfeiler nachhaltiger
Gewichtsstabilisierung.
Evidenz
und Kongressbericht Málaga 2025
Auf dem
European Association for the Study of Diabetes (EASD) Congress 2025 in Málaga
wurden bahnbrechende Studiendaten präsentiert: Patienten, die während ihrer
GLP-1-Therapie strukturiertes Krafttraining und Ernährungsberatung erhielten,
zeigten nach Absetzen der Medikamente eine Gewichtszunahme von nur 1,2 kg über
12 Monate – verglichen mit 7,8 kg in der Kontrollgruppe ohne Intervention.
Die
vorgestellte Studie (n=420) aus Skandinavien kombinierte wöchentliches
Semaglutid mit einem supervidierten Krafttrainingsprogramm (3x/Woche) und
monatlichen Ernährungsgesprächen. Nach 52 Wochen wurde die Medikation
abgesetzt, aber das Trainingsprogramm fortgeführt. DEXA-Scans zeigten, dass die
Interventionsgruppe ihre Muskelmasse vollständig erhalten hatte, während die
Kontrollgruppe signifikanten Muskelabbau erlitt.
Die Autoren
schlussfolgern, dass GLP-1-Agonisten als „Katalysator" fungieren können,
um Gewichtsverlust einzuleiten – aber langfristiger Erfolg hängt von
Verhaltensänderungen ab. Ohne diese bleibt der Therapieerfolg temporär. Diese
Erkenntnisse unterstreichen die Notwendigkeit multimodaler Programme statt
reiner Pharmakotherapie.
Fitnessclubs:
Ideale Anlaufstelle für langfristige Erfolge
Professionelle
Fitnessclubs mit qualifizierten Trainern sind die optimale Umgebung für
Patienten unter GLP-1-Therapie. Gut ausgebildetes Personal kann individuelle
Trainingspläne erstellen, Übungsausführung korrigieren und Motivation
aufrechterhalten – entscheidende Faktoren für langfristigen Erfolg.
Idealerweise
verfügen diese Clubs über Trainer mit Zusatzqualifikationen in medizinischem
Fitnesstraining oder Ernährungsberatung. Sie verstehen die metabolischen
Besonderheiten von Adipositas-Patienten, können auf Begleiterkrankungen
(Diabetes, Hypertonie, Gelenkprobleme) eingehen und die Intensität angemessen
steuern. Gruppenkurse speziell für diese Zielgruppe fördern zudem soziale
Unterstützung.
Die
Kooperation zwischen Ärzten, die GLP-1-Agonisten verschreiben, und Fitnessclubs
sollte systematisch ausgebaut werden. Modellprojekte zeigen, dass „ärztliche
Verordnung von Bewegung" mit konkreter Vermittlung an qualifizierte
Studios die Therapieadhärenz und Erfolgsrate drastisch erhöht. Fitnessclubs
sind nicht nur „nice to have", sondern integraler Bestandteil einer
erfolgreichen, nachhaltigen Gewichtsreduktion – sie verwandeln temporäre
Medikamentenerfolge in dauerhafte Gesundheitsgewinne.

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